Quagga Muschel - Unterwasser Arbeiten im Bodensee

Wir haben uns spezialisiert auf Quagga Muschel Probleme, deren Lösungen und Unterwasser-Arbeiten im Bodensee und der ganzen Schweiz:

Lösungen für Quagga Muschel Problemen bei:

  • Muschelbefall im Wasser-Ansaugstutzen
  • Muscheln in Wasser-Ansaugleitungen
  • Quagga Muscheln in Wasser-Rückleitungen
  • Bojen Feldern und Bojengeschirr
  • u.v.m.

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Quagga-Muscheln im Bodensee

Die Quagga-Muschel (Dreissena rostriformis bugensis) stammt ursprünglich aus den Flussmündungsgebieten des Schwarzen Meeres – konkret aus den Einzugsgebieten von Südlichem Bug, Dnjepr und Inhulec. Im Bodensee wurden erste Exemplare im Jahr 2016 nachgewiesen, vermutlich eingeschleppt durch Boote oder Wassersportausrüstung, möglicherweise auch durch Wasservögel vom Rhein.

Die Muschel ist mit bis zu vier Zentimetern Länge klein, aber in ihrer Wirkung gewaltig. In Wassertiefen von 10 bis 30 Metern finden sich mittlerweile bis zu 25.000 Muscheln pro Quadratmeter. Sie ist besonders anpassungsfähig, da sie – im Gegensatz zur ähnlichen Dreikantmuschel – auch in den kalten, nährstoffarmen Tiefen von Voralpenseen überleben kann.

Die ökologischen Folgen sind gravierend: Die Muscheln filtrieren enorme Mengen Plankton aus dem Wasser, was den See nährstoffärmer macht und über die Nahrungskette die Fischbestände bedroht. Die Biomasse pro Quadratmeter wird in den nächsten zwei Jahrzehnten voraussichtlich um das Neun- bis Zwanzigfache zunehmen, verursacht vor allem durch eine stärkere Besiedlung der tieferen Bereiche. Eine Eindämmung in bereits befallenen Gewässern gilt als nicht mehr möglich – Chemikalien kommen wegen der Trinkwassernutzung nicht infrage.


Probleme für technische Anlagen

Wasserleitungen

Die Larven der Quagga-Muscheln schwimmen in die Leitungen und setzen sich als ausgewachsene Muscheln auf und in den Entnahmeleitungen und Förderanlagen fest. Das hat mehrere Folgen: Der Rohrquerschnitt verengt sich zunehmend, bis im schlimmsten Fall eine vollständige Verstopfung eintritt. Die Quagga-Muschel sorgt für mehr Widerstand in den Rohren – das führt dazu, dass mehr gepumpt werden muss und damit mehr Energie verbraucht wird. Wenn Muscheln abfallen, verstopfen sie darüber hinaus die Filter.

Ansaugkörbe

Die Ansaugkörbe (auch Ansaugsiebe genannt) sitzen am Einlauf der Rohrleitungen im See und sind typischerweise in mehreren Metern Tiefe installiert. Sie sind der erste und direkteste Kontaktpunkt mit der Muschel-Larven-reichen Seeschicht. Muscheln setzen sich dicht an dicht auf den Gitterstäben fest und reduzieren den Durchfluss massiv. In allen befallenen Schweizer Seen werden in aufwendigen Aktionen Taucher in die Tiefe geschickt, um Ansaugkörbe freizukratzen. Das ist teuer, gefährlich und nur in größeren Zeitabständen möglich.

Wärmetauscher

Die Tiere verstopfen Leitungen und Wärmetauscher und bedecken alles wie ein Teppich. Wärmetauscher sind besonders problematisch, weil ihre engen Kanalstrukturen schon bei geringem Muschelbesatz wirkungsvoll blockiert werden. Da die Wasserkreisläufe beim Heizen durch Wärmetauscher getrennt sind, schafft es die Quagga-Muschel zwar nicht bis in den Heizkörper im Gebäude, aber bis zum Wärmetauscher selbst gelangt sie allemal. Die EPFL in Lausanne etwa steht wegen ihres befallenen Kühlsystems vor einer Sanierung, die 60 Millionen Franken kostet.


Lösungsansätze

Übersicht der etablierten Methoden

  • Größere Rohrdurchmesser: Leitungen werden großzügiger dimensioniert, um Kapazitätsreserven zu schaffen.
  • Ultrafiltrationsanlagen: Sipplingen setzt auf Ultrafiltrationsanlagen an Uferstandorten, die Larven aus den technischen Anlagen fernhalten sollen.
  • Trockenlegung: Da UNIL und EPFL nun zwei parallele Kreisläufe haben, können sie jeweils einen trocken legen – die Muscheln sterben so innerhalb einer Woche ab. Die verbleibenden Schalen müssen danach aus allen Filtern entfernt werden.
  • Spezielle Beschichtungen / Materialforschung: Das Institut WITg in Thurgau erforscht im Projekt „PreventTecQuagga“ gezielt, wie Oberflächengestaltung eine Besiedlung erschweren kann.
  • Biologische Kontrolle: Karpfenartige Fische, besonders Rotaugen, können Muscheln mit ihren Schlundzähnen knacken und fressen – die Förderung natürlicher Fressfeinde gilt als vielversprechendster langfristiger Ansatz.

Im Detail: Molchen der Leitungen

Das Molchen ist derzeit eine der praktikabelsten mechanischen Reinigungsmethoden für bereits befallene Rohre. Ein „Molch“ ist ein zylindrischer oder leicht konischer Kunststoffkörper (Hartplastik-Pfropfen), der passgenau zum Rohrdurchmesser gefertigt wird.

Funktionsprinzip: Ein Molch wird in die Röhre eingebracht und mit hohem Überdruck hindurchgepresst. Die Muscheln haben dabei keine Chance – sie werden herausgebürstet. Der Molch schält den Muschelbelag mechanisch von der Rohrinnenwand ab und treibt ihn vor sich her bis zum Auslauf, wo er ausgespült wird.

Praxis am Bodensee: In Romanshorn schießt das Seewasser-Konsortium mithilfe von Überdruck große Plastikformen durch die Rohre. In Friedrichshafen und Romanshorn kommt das Molchen ebenfalls zum Einsatz – das Werk Kesswil gilt dabei als Pionier.

Vorteile des Molchens:

  • Keine Chemikalien erforderlich, kein Eingriff in die Trinkwasserqualität
  • Leitungen müssen nicht aufgegraben werden
  • Skalierbar auf verschiedene Rohrdurchmesser
  • Kann wiederholt und in regelmäßigen Intervallen durchgeführt werden
  • Bei parallelen Leitungssystemen (zwei Rohrstränge) kann abwechselnd gemolcht werden, ohne den Betrieb zu unterbrechen
 

Grenzen: Der Molch hilft nur in den Leitungen selbst – den Ansaugbereich im See und Wärmetauscher erreicht er in der Regel nicht.


Im Detail: Schnell wechselbarer Ansaugkorb

Der klassische, fest im See verankerte und nur per Taucher erreichbare Ansaugkorb ist im Zeitalter der Quagga-Muschel ein Wartungsalbtraum. Der innovative Ansatz setzt auf ein schnell wechselbares Korbsystem.

Konstruktionsprinzip: Der Ansaugkorb ist nicht fest im Seeboden oder an der Rohrmündung in der Tiefe fixiert, sondern in einem geführten Schacht oder Schienenrahmen gelagert. Über ein Seil- oder Stangenführungssystem kann er von der Wasseroberfläche aus – vom Boot oder Steg aus – nach oben gezogen werden.

Ablauf der Reinigung:

  1. Der Korb wird an der Oberfläche hochgezogen, ohne den Betrieb vollständig zu unterbrechen (ein Ersatzkorb kann vorab eingesetzt werden).
  2. An der Oberfläche wird er per Hochdruckreiniger oder Bürste von Muscheln befreit – das dauert je nach Bewuchs nur Minuten.
  3. Der gereinigte (oder ein bereitgehaltener Ersatzkorb) wird wieder in die Führung eingelassen und abgesenkt.
 

Vorteile:

  • Deutlich günstigere und häufigere Wartung möglich
  • Reinigungsintervalle können dem tatsächlichen Besiedlungsgrad angepasst werden
  • Geringere Ausfallzeiten der Anlage
  • Weniger Sicherheitsrisiko beim Wartungspersonal
  • Die Reinigung an der Oberfläche ist gründlicher und kontrollierbarer als unter Wasser
 

Wichtig bei der Konstruktion: Der Korb muss so ausgelegt sein, dass er beim Hochziehen nicht übermäßig drückt oder reißt; die Führungsschiene muss selbst muschelresistent oder leicht reinigbar sein; und es sollte ein Doppel-Slot-System geben, damit immer ein Korb im Einsatz bleibt.


Fazit

Die Quagga-Muschel ist im Bodensee nicht mehr aufzuhalten – die Frage ist nur, wie teuer der Umgang mit ihr wird. Das Molchen der Leitungen und der schnell wechselbare Ansaugkorb sind zwei pragmatische, chemikalienfreie Lösungen, die die laufenden Wartungskosten beherrschbar halten. Kombiniert mit redundanten Leitungssystemen (für Trockenlegung und unterbrechungsfreies Molchen) und Ultrafiltrationsanlagen entsteht ein gestaffeltes Abwehrsystem, das zwar Investitionen erfordert, aber langfristig den Millionenschäden durch totale Rohrverstopfung vorbeugt.

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